46 Fotografien aus der Serie: In Neustadt

Andreas Muhs befasst sich in freien Projekten systematisch mit diversen Aspekten der Stadt Berlin. In verschiedenen Fototechniken entstanden bisher 15 Projekte. So erfasste er 2001-09 in „Restmodern“ die Spuren der Nachkriegsmoderne und untersuchte 2009/10 in „Rest-Berlin“ ehemals bebaute Brachflächen, die über die Leere hinweg Blicke auf Brüche und „Wunden“ der Stadt freigeben. „Am Vorabend“ (2013-15) nutzte er tageszeitliche Lichtstimmungen kurz vor radikaler Veränderung stadträumlicher Areale. Stets nutzt er andere bildästhetische Ansätze um das selbst gestellte Thema zu bearbeiten. Für „In Neustadt“ suchte Muhs Orte auf, an denen die Kamera ausschließlich Neues aufzeichnet: Townhäuser, Büro-, Kultur-, Regierungs- und Verkehrsbauten, Hotels und Kaufhäuser. Die Viertel befinden sich in Mitte, Tiergarten, Moabit, Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzlauer Berg, also innerstädtischen Ortsteilen. Die städtische Vor-Geschichte der neu bebauten Areale scheint hier negiert und ausgelöscht: eine absolut künstliche Welt. Muhs wählt für seine Aufnahmen das Winterhalbjahr und einen stets bedeckten Himmel, der kaum Lichter und Schatten oder Stimmungen hervorbringt. Bäume sind unbelaubt, Beton, Stein und Glas dominieren. Auf die mögliche Nutzung des Stadtraumes verweisen lediglich Straßenmöbel, Poller, Werbesäulen sowie „ruhender“ Autoverkehr und Fußgängerinseln. Ein Bezug zum weiteren Stadtraum wird in den gewählten Wirklichkeitsausschnitten nicht gewährt. Andreas Muhs´ perfekte „Neustädte“ erwecken den Anschein, „für die Ewigkeit“ zu sein. Eine Vorstellung, die beim Betrachten der Bilder durchaus Distanz und Unbehagen aufkommen lässt. Erworben aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin von der Kultur-Verwaltung des Berliner Senats, 2020 © Andreas Muhs
Sammlung
Abmessungen
Bildmaße H: 36 cm B: 54 cm
Datierung
2020
Inventarnummer
SM 2020-04564
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