Im Concertsaale

Inspiriert durch den sogenannten Teufelsgeiger Niccoló Paganini, begab sich Liszt auf eine lange Tournee, die ihn von Paris zurück nach Wien, wo er gelernt hatte, führte und dann einmal kreuz und quer durch Europa: von Moskau bis Kopenhagen, von Edinburgh bis Konstantinopel. Offenbar verfügte Liszt auch über große Ausstrahlungskraft auf die Damenwelt. Reihenweise sollen sie in Ohnmacht gefallen sein, wenn er die Bühne betrat. Man schätzt, dass Liszt in diesen Jahren in 230 verschiedenen Städten gastierte, insgesamt an die 600 Konzerte gegeben haben muss. Allein in Deutschland spielte er zwischen 1840 und 1845 dreihundert Konzerte, vierzig davon in Berlin. Und er wurde überall frenetisch gefeiert. Legenden breiteten sich aus: Liszt würde in Ekstase am Ende der Konzerte – wir kennen das heute von Rockmusikern und ihren Gitarren – die Flügel zertrümmern. Besonders in Berlin, wo die Lisztomanie krude Ausschweifungen erfuhr, sah sich mancher Beobachter zu beißenden Kommentaren veranlasst. Der Berliner Satiriker Adolf Glasbrenner verarbeitete seine Beobachtungen dieses Übermaßes an Bewunderung, die Franz Liszt entgegenschlug, zu einer dreiaktigen Komödie. Darin schwebt Liszt über jubelnden Damen, eine Adelige namens Baronin von Sinnen schläft ausschließlich auf einem Kissen mit gesticktem Porträt des Komponisten. Am Ende verlässt er die aufgeladene Stadt unter den „Vivat“-Rufen der Massen vorm Hotel Russie, dem heutigen De Rome, in einer vielspännigen Kutsche. „Ist es nicht schön, dass das Talent die Kraft hat, die Politik, die wichtigsten Sorgen des Landes, seine unruhige Gegenwart und seine dunkle Zukunft vergessen zu machen!“, schreibt Glasbrenner zynisch.
H.B.
Sammlung
Abmessungen
Blattmaß H: 8,7 cm B: 13,3 cm
Datierung
Leipzig, 1842
Inventarnummer
GDR 64/11,249